picture alliance / Michael Kappeler / dpa

PSNVNet

Zur Funktionsweise von Netzwerken der Psycho­sozialen Notfallversorgung (PSNV) am Beispiel des Attentats auf dem Berliner Weihnachtsmarkt 2016

Kurzbeschreibung

Der Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 war für Helfende und Opfer ein einschneidendes Erlebnis. Im Rahmen der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) werden Betroffene vor Ort betreut und bei Bedarf weitere adäquate Hilfen vermittelt. Durch die Analyse der erfolgten Aktivitäten erarbeitet das Projekt PSNVNet konkrete Ableitungen und Empfehlungen für die Organisation der psychosozialen Akuthilfe sowie für das vorbereitende Handeln in den Netzwerkstrukturen.

Projektinfos

Projektlaufzeit

01.04.2018 bis 31.12.2020

Förderlinie

Projektmitarbeit

Dipl.-Soz. Gabriele Besser (ASH Berlin)

Dipl.-Psych. Friederike Sommer (HWR Berlin)

Projektpartner

Notfallseelsorge/Krisenintervention Berlin – ein Netzwerk bestehend aus:
evangelischer und katholischer Kirche in Berlin, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst, Arbeiter-Samariter-Bund, Berliner Rotes Kreuz, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Muslimische Notfallseelsorge Berlin

Problemstellung

Beim terroristischen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 wurden zwölf Menschen getötet und 66 Menschen verletzt. Der Anschlag hat die immense Bedeutung einer frühen, umfassenden und wirkungsvollen Unterstützung für Betroffene und sogenannte spontane Ersthelfende ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Im Rahmen dieser Akutversorgung spielt die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) eine entscheidende Rolle. Sie ist für die Begleitung der unmittelbar Betroffenen in den ersten Stunden und Tagen nach dem Ereignis zuständig und mit einer mittel- und langfristigen Betreuung der sogenannten Regelversorgung verzahnt. Neben der persönlichen Unterstützung der Betroffenen vor Ort sind die Früherkennung psychosozialer Belastungsfolgen sowie die Vermittlung in weitere adäquate Hilfen wichtige Bestandteile. Die bestehenden, bundesweit geltenden Leitlinien folgen einer netzwerkorientierten Logik der PSNV, die zunächst personale und soziale Ressourcen der Betroffenen (und ihrer Netzwerke) aktiviert und ansonsten ergänzend und ersetzend wirkt. Allerdings fehlen bisher Erkenntnisse, wie sich dieser Anspruch einer PSNV für Betroffene (PSNV-B) konkret unter den besonderen Bedingungen eines terroristischen Attentates entfaltet.

Forschungsfrage und Zielsetzung des Projekts

Das Projekt untersucht die Frage, wie sich die psychosoziale Unterstützungsarbeit im Zusammenspiel aller Akteure in der Akutphase im Einsatz am Breitscheidplatz gestaltet hat. Ziel ist die Erarbeitung zukünftiger Entwicklungsmöglichkeiten der PSNV mit dem Praxispartner der Notfallseelsorge/Krisen­intervention Berlin. Durch die Analyse von Einsatzprotokollen, Transkripten ethnographischer Interviews, Lageplänen und unter Einbezug verschiedener Perspektiven (PSNV-Kräfte, spontane Ersthelfer, Polizei, Feuerwehr) sollen die verabredeten Einsatzstrukturen und -abläufe, konkreten Unterstützungsmaßnahmen sowie zugrundeliegenden Qualitätskriterien im Handeln der Akteure erforscht werden. Mithilfe von Situations- und Diskursanalysen ist geplant, die handlungsleitenden Sichtweisen und Perspektiven der Akteure zu rekonstruieren und mögliche Probleme an den Schnittstellen zu identifizieren.

Zu erwartende Ergebnisse

Die wissenschaftliche Analyse des komplexen Fallbeispiels des Attentats am Breitscheidplatz soll zu konkreten Ableitungen und Empfehlungen für die Organisation der psychosozialen Akuthilfe für den Einsatzfall sowie für das vorbereitende Handeln in den Netzwerkstrukturen führen. Durch den Transfer der Forschungsergebnisse in die Praxis entwickelt das Projekt Empfehlungen für die künftige Organisation, operative Arbeitsweise und den Umgang mit Schnittstellen. Das Forschungsprojekt strebt explizit die praxisnahe Stärkung einer auf bürgerschaftlichem Engagement beruhenden Netzwerkorganisation an.

Publikationen & Berichterstattung

Veranstaltungen